MTB Transalp

Westalpen 2006

Martigny - Ventimiglia

Die Ligurische Grenzkammstrasse ist eines der attraktivsten Bikeziele der Alpen. Ganz im Süden des Alpenbogens führt die ruppige Militätpiste auf Höhen um 2000m über dutzende unbesiedelte Kilomenter von Col de Tende (1871m) zum Mittelmeer hinab.

Im Juli 2006 nehme ich eine Transalp Tour unter die Stollen, welche die Grenzkammstrasse sowie einige weitere Hochkaräter der Westalpen verbindet und in sechs Tagen von Martigny/CH nach Ventemiglia/I ans Mittelmeer führt.
Strecke

1.Tag Martigny (500m), Grand Col Ferret (2534m) - Entrèves (1350m).

2.Tag Col de la Seigne (2512m), Col de l'Iseran (2770m), Col de Mt.Cenis (2058m), Colle delle Finestre (1600m)

3.Tag Colle delle Finestre (2167m), Col d'Abries (2656m), Grand Bellvedere Mont Viso (2100m)

4.Tag Col de Vallante (2811m), Colletta (2860m), Passo della Gardetta (2437m), Colle dei Morti (2480m)

5.Tag Col de la Lombarde (2320m), Colle Rubina (2319m), Colle Salèse (2031m), Col de Turini (1604m), l'Authion (1890m), Col de Tende (1871m)

6.Tag Ligurische Grenzkammstasse (bis 2200m), Ventimiglia (0m :-)


Alle Fotos sind anklickbar!

1.Tag

Der erste Tag ist eigentlich nur ein halber. Ich komme um 16h mit dem Zug in Martigny an und will über den Crand Col Ferret (2534m) nach Süden. Ob der Ferret schon passierbar ist, ist unklar. Ich hoffe das Beste.
Von Martigny (500m) starte ich in Richtung Gr.St. Bernhard um in Orsières (950m) rechts zum Crand Col Ferret (2534m) abzuzweigen.

Die Strasse ist ruhig.
Der Singletrail ab 2100m ist teils sehr steil, jedoch weitgehend fahrbar und der Pass zwar etwas matschig aber fast schneefrei.

Ein Glück.
Der Downhill am Südhang ins ital. Val Ferret ist teils ruppig. Für Downhillfreaks noch ohne Absteigen zu bewältigen, gibt es für mich leider einige Schiebereien. Mein erster Tour-Schlafplatz auf einer Chalet-Terrasse in Entrèves in 1350m Höhe. Die Steinplatten sind noch ganz warm vom Tag und machen das Ganze fast gemütlich.

2.Tag

Ich freue mich auf den ersten richtigen Tour-Tag, der mir zwar wenig Singletrail, jedoch herrliches Wetter und tolle Aussichen bescheren wird.
Nach der Nacht auf der warmen Chalet-Terrasse und zeitigem Start zum Col de la Seigne (2513m) erreiche im oberen Val Veny am Lago di Combal (2000m) die ersten Sonnenstrahlen. Kurz nach dem Lago di Combal führt der Weg zum Col de la Seigne am Rifugio Elisabetta (2180m, Bildmitte) vorbei. Poserbild auf dem Col de la Seigne mit Bickrichtung Val Veney und Mt.Blanc (4808m). Der Singletrail vom Col de la Seigne (2512m) ins Beaufortrain ist bis Ville des Glaciers (1800m) ein schneller Singletrail vom Feinsten. Blick zurück über Ville des Glaciers (1800m) zum Col de la Seigne (2513m).

Von dort geht es auf breitem Fahrweg und Strasse nach Bourg St. Maurice (800m).
Mit Guano Apes im Ohr nehme ich die Teerstrasse nach Val d'Isere (1800m) unter die Stollen
Nach kurzer Pause mache ich mich auf die Verfolgung der vielen Rennradler, die zum Iseran unterwegs sind.
Auf der Nordrampe des Col de l'Iseran (2770m) gibt es immer wieder prächtige Ausblicke auf Val d'Isere und zum Mt.Pourri (3779m).
Hier vom Belvedère de la Tarentaise (2526m).
Bei herrlichem Wetter erreiche ich die Passhöhe auf 2770m.
Die südliche Abfahrt ins Val d'Arc ist abwechsungsreich und voller schöner Ausblicke, hier auf ca. 2500m.
Der südliche Basisort des Col de l'Iseran ist Bonneval sur Arc (1800m).

Im Hintergrund die Gletscherreste der Levanna Centrale (3558m).
Es folgen einige unspektakuläre km nach Lanslebourg (1400m) und über den Col de Mt. Cenis (2058m) hinab nach Susa (500m) zum nur teilweise getreerten Colle delle Finestre (2168m).

Im Jahr zuvor war der Giro d'Italia hier rübergrauscht. Seitdem gibt es unterschiedliche Aussagen über den aktuellen Zustand der Piste. Ich bin gepannt.
Die Nordrampe des Colle delle Finestre (2168m) führt von Susa auf schmaler, frisch geteerter Strasse in dutzenden Kehren durch dichten Laubwald... ...um bei 1500m in eine mittelgrobe Schotterpiste zu münden.
Nachdem der Giro die Strasse plattgewalzt hatte, sollte man eigentlich etwas besseres erwarten dürfen.
PerBike aber kein Problem.
Der zweite Schlafplatz bei dieser Tour: Eine Kapelle direkt am Wegesrand des Finestre auf ca. 1600m.

3.Tag

Der dritte Tag wird mir kein Wetterglück bescheren.

Der Colle delle Finestre (2168m) im Nebel, später im zweiten Aufstieg etwas Sonne, die mich dann mit 30-Luft durchbrutzelt.

Kurze Zeit später hänge ich an einem Felsvorsprung des Col d'Abries (2652m) und versuche, beim nachmittäglichen Gebirgsgewitter nicht die Motivation zu verlieren.
Die Finestre Südrampe hinab nach Fenestrelle präsentiert sich seit dem Giro 2005 komplett geteert... ...und mündet in Mentoulles (950m) reichlich beschildert in die R23.

Um von dort weiter nach Süden zu kommen, fahrt man gewöhnlich über Sestriere (2058m).
Etwas Neues jedoch wäre der 2658m hohe Col d'Abries, der einen direkten Übergang ins Queyras vermittelt.



Die Strecke führt im tiefsten Tour-Ort Perosa Argentina (620m) rechts ins Val Germanasca nach Perrero (875m) und Prali (1420m) um ab dem Weiler Ghigo (1510m) als zunächst fahrbarer Singletrail zum Col d'Abries (2658m) zu führen.
Kurz unter dem Gipfel dann Schieberei und Gewitterhagel :-(

Was tun? Keine Hütte weit und breit, kein Mensch, kein Regenschirm.
So eine Sch....
Immerhin ein kleiner Felsvorsprung, unter den ich mich hefte und zwei Stündchen ausharre.

Schliesslich dann doch der Col d'Abries (2658m)..
Col d'Abries (2658m)



Blick zurück auf die steile Schiebe- passage.

Die westliche Abfahrt hinab ins Queras.
Ein geiler Downhill, den ich trotz der Nässe nach Abries ins Queras down hille.

Nach weiterer Regenpause kurble ich des abends zum Grand Bellvédère du Mont Viso (2100m).
Schlafplatz 3 am Grand Bellvédère du Mont Viso (2100m)

Obs trocken bleibt in der Nacht ist sehr unsicher.

So suche ich nach einem geschützen Plätzchen und entdecke eine schnucklige Höhle direkt am Bellvédère.
Da lacht das Tour-Herz :-)

4.Tag


Sternklare Nacht, früh erwacht.

Endlich bin ich im Zielgebiet und gespannt was heut geschieht...
Einige der schönsten und höchsten Bikepässe der Alpen erwarten mich.

Als erstes der Col de Vallante (2811m), welcher direkt an der imposanten Steilwand des Mont Viso (3841m) vorbeiführt.

Zunächst gleite ich noch durch die kühle Morgenluft und finde mich voll cool.
Nach der lästigen Trage- und Schieberei durch die oberen 300hm Geröllfeld komme ich auf der schneebedeckten Passhöhe an und pose für Euch :-)

Col de Vallante bzw. Passo di Vallanta (2811m).

Wie vermutet folgt nun der geile Donwnhill.
Vorbei am Rifugio Vallanta (2450m) gehts es hinab nach Castelfino (1300m).
Auf ca. 2000m.


Zum Vallante hier links.
In Castelfino überfalle ich den kleinen Supermarkt und kurble mit reicher Kriegsbeute ins schöne Bellino und weiter nach St.Anna (1550m).

Ziel ist der Colle di Bellino (2860m) bzw. dessen Nachbarpass Colletta. Von dort soll eine fahrbare Piste direkt vom Pass hinab ins Mairatal führen..
Auf dem Weg zum Colle Bellino (2860m). Kurz vor der Passhöhe Colleta (2860m).

Durch die Bunkeranlagen wird mir klar, warum ein Fahrweg bis in diese Höhe führt: wieder mal eine Militärpiste :-/
Die Colleta-Piste auf 2800m - geil!

Aussicht in 2400m+1800m
Eigentlich sind das für heute genug Erlebnisse. Doch der Tag ist um 16 Uhr schliesslich nicht zu Ende.

Der Abfahrt von der Colleta nach Acceglio (1200m) folgt direkt die komplett fahrbare Auffahrt zum Passo della Gardetta (2437m) vorbei an gespenstischen Militärbunkern
Fantastisches Panorama im Abendlicht am Colle Margherina (2420m) auf der Höhenstrasse zwischen Passo della Gardetta (2437m) und Colle di Valcavera (2416m). Die formschöne Rocca la Meja (2830m) dominiert die eindrucksvolle Szenerie. Die letzten Sonnenstrahlen am Colle dei Morti (2480m), der auch als Colle Fauniera bekannt ist.
Aussicht zum Colle di Valcavera (2416m).
Dann zieht plötzlich der Nebel vom Tal einige hundert Meter hinauf und innerhalb weniger Minuten stehe ich im Halbdunkeln und hässlichen Bedingungen auf 2480m Höhe. Toll. Nach nächtlicher Fahrt durch Demonte (670m), wird mein 4.Schlafplatz nichts besseres als eine Kurve am Colle de Lombarde (2320m).

5.Tag

Unruhige Nacht, schlecht aufgewacht. Nebel.

Kein Reim kommt mir über die Lippen.
Hoffentlich ist bald gescheites Wetter.
Rückblick zum Colle della Lombarda (2351m) vom kleinen Colle Rubina (2319m). Das Wolkenmeer, das mir im Valle di S.Anna den Spass verdarb, wälzt sich über den Kamm der Cima Moravacciera. Auf der südlichen Flanke des Colle Rubina gibt es eigentlich keinen Weg zum Dorf Molliéres (1800m).

Ich versuche es trotzdem.

Ein Fehler?
Ein Stück weiter unten sieht es schlecht aus.

Ich will aber runter!

Noch ein Stück weiter unten. Molliéres rückt in greifbare Nähe. Doch der weglose Hang wird steiler und steiler.
Reicht es noch oder bin ich in der Sch....?
Ich schaffe es doch nach Mollieres mit heiler Haut. Glück gehabt.

Ein schöner Fahrweg führt von hier über den Colle Salèse (2031m), der für Motorfahrzeuge gesperrt ist.
Um möglichst effizient zur Ligurischen Grenzkammstrasse zu kommen, wähle ich den Weg ins Val Vésubie (500m) über den Col de Turini (1604m) und l'Authion (1940m) hinüber durch den Forêt de Cairos ins Val Roya nach Tende. Die interessante Westrampe des Col de Turini (1610m) auf ca. 1300m hinab ins Val Vésubie. Die Panoramastrasse l'Authion nimmt ihren Ausgangspunkt am Col de Turini (1604m) und führt bis in eine Höhe von 1970m. Am östlichsten Punkt der l'Authion Schleife zweigt ein Fahrweg ab und führt aussichtsreich zur Cime de Colle Basse (1417m) und durch den Forét des Cairos hinab nach Saorge de Tende (410m). Panoramapiste von der l'Authion Schleife zur Cme de Colle Basse (1417m). Die Cime de Colle Basse (1417m). Im der Einbuchtung davor liegt der Colle Basse, bei dem scharf links abzubiegen ist. Der Abzweig von der N204 bei Saorge de Tende (410m) nach St.Claire de Cairos (955m) und zum Colle Basse (1417m). Tende ist ein schöner Ort im Val Roya auf 790m.
Es ist der letzte Ort vor der Grenze zu Italien über den gleichnamigen Col de Tende (1871m) bzw. Tunnel de Tende (1279m).
Tiefblick von ca. 1600m auf die 'unendlich' vielen Kehren des Col de Tende (1871m). Der obere Bereich des Col de Tende (1871m) ist abwechslungsreicher als die Kehreneinerlei von unten und führt auf guter Piste zum höchsten Punkt. Ein Abstecher vom Col de Tende zum 1880 erbauten Fort Central (1900m) lohnt sich.
Mit dem Bike kommt man direkt vom Fort zur Grenzkammstrassse.
Panorama vom meinem Schlafplatz auf der Skistation des Bric Campanino.
Hinter dem kleineren Hügel in der Bildmitte liegt der Col de Tende (1871m) sowie das Fort Central.

6.Tag



Am Abschlusstag der Transalp kommt mir endlich das eigentliche Ziel der Fahrt unter die Stollen, die Ligurische Grenzkammstrasse.
Die Ligurische Grenzkammstrasse ist eines der attraktivsten Bikeziele der Alpen.

Ganz im Süden des Alpenbogens führt die ruppige Militätpiste auf Höhen um 2000m über dutzende unbesiedelte Kilomenter von Col de Tende (1871m) zum Mittelmeer hinab.

Beliebt und Berüchtigt ist sie bei Endurofahrern und Bikern für ihre gerossartigen Ausblicke, und für ihre Abgeschiedenheit, welche jede grössere Panne zum grossen Problem werden lässt.

Erschwerend kommt hinzu, dass es praktisch keine Wasserquellen unterwegs gibt und der Körper bei leeren Trinkflaschen von der Sonne trockengebrutzelt wird.
Die Grenzkammstrasse ist keine eigentliche Strasse, sondern ein Verbund ehemaliger Militärtpisten.
Sie führt auf einer Länge von über 60km über mehrere Pässe durch praktisch unbewohntes Gebiet, ständig wechselnd zwischen französischem und italienischem Staatsgebiet.

Das nörliche Drittel zwischen Colle Malaberghe (2225 m) und dem Colle Lago dei Signori (2112m) ist meiner Meinung nach der interessanteste Teil und besticht durch atemberaubend schöne Bergkulisse und exclusivstes Pistenfeeling.
Später schwanken die Höhenwerte um 1500m um dann im letzten Drittel hinab in Richtung Meer zu führen.

Die Grenzkammstrasse sollte auf keiner 'Gemacht-Liste' eines MTB oder Enduro-Fahrers fehlen.
Lig. Grenzkammstrasse im Morgengrauen. Die Piste führt rechts am Colle della Perla (2083m) vorbei und links weiter zum Col de Boaria (2102m). Die meist fotografierte Passage der Ligurischen Grenzkammstrasse am Col de Boaria (2102m). Gespenstische Bedingungen auf der Ligurischen Grenzkammstrasse beim Colle Lago dei Signori (2112m). Im südlichen Drittel der Ligurischen Grenzkammstrasse beim Col Melosa (ca. 1600m).
Weitere Passagen im südlichen Drittel der Ligurischen Grenzkammstrasse.
Das Mittelmeer ist schon zu erahnen: Auf der SP65 in Richtung Pigna (280m) am

Colla di Longan (1210m).
Ankunft in Ventimiglia bei strahlenden 32.
Für mich Zeit zum Posen, Baden und Waschen :-)
In nur 8 Stunden komme ich mit dem Zug von Ventemiglia nach Zürich und muss dabei ein einziges mal in Milano umsteigen.
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